Ernährung
Ein sehr großer Teil der heutigen Krankheiten und Beschwerden entstehen durch falsche Ernährung oder werden durch sie begünstigt. Hierzu zählen nicht nur Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und Verdauungsprobleme.
Eine Vielzahl von Gesundheitsstörungen, wie z. B. chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Atemwegserkrankungen, Hautprobleme, Allergien, chronische Schmerzzustände, Rheuma, Gicht, Menstruationsbeschwerden u. v .a. m., können durch eine gezielte Ernährung positiv beeinflußt werden.
Eine TCM-Ernährungsberatung kann auch Ihre Gesundheit fördern. Hierfür brauchen Sie nicht chinesisch zu kochen oder auf alles zu verzichten. Wichtig ist, welche Nahrungsmittel für Sie positiv sind und Ihre Gesundheit fördern und welche Sie lieber eine Zeit lang vermeiden sollten.
Wie funktioniert die chinesische Diätetik im Vergleich zur westlichen Ernährungslehre?
Im Westen werden vorwiegend quantitative Aussagen über die Beurteilung von Nahrungsmittel herangezogen, wie Angaben über den Kaloriengehalt, die Menge an Fett, Kohlenhydraten oder Eiweiß, welche Mineralien, Vitamine und Spurenelemente sich in den Lebensmitteln befinden und in welchen Mengen.
Die Nahrungsmittel werden also auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht und die Ergebnisse in Listen festgehalten.
Die einzelnen Bestandteile werden dann isoliert und, meist im Tierversuch, auf ihre Eigenschaften/Wirkungen untersucht. Hierzu ein Beispiel: Vitamin C wird hoch dosiert Mäusen gespritzt. Es wird festgestellt, dass die behandelten Mäuse wesentlich resistenter gegen Erkältungskrankheiten sind als die unbehandelte Vergleichsgruppe. Hieraus folgert der Wissenschaftler, dass Vitamin C die Abwehrkräfte stärkt und als Prophylaxe gegen grippale Infekte eingesetzt werden kann. Es wird davon ausgegangen, dass Lebensmittel mit hohem Gehalt an Vitamin C denselben Effekt haben. Hieraus resultiert die Empfehlung, Orangen oder Vitamin-C-haltige Fruchtsäfte, als Erkältungsprophylaxe in der kalten Jahreszeit einzunehmen.
Bleibt dann der erhoffte Erfolg aus, können sich westliche Ernährungswissenschaftler häufig nicht erklären, warum das so ist.
In jüngster Zeit setzen sich zunehmend klinische Studien durch, die unabhängig von der quantitativen Zusammensetzung beobachtete Wirkzusammenhänge berücksichtigen. Da wird z. B. Fisch zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßkrankheiten empfohlen, Äpfel zur Cholesterinsenkung oder Kohl zur Krebsprophylaxe. Dies ist zwar eine zu begrüßende Entwicklung, es fehlen jedoch Erklärungen für diese Wirkungen.
In der chinesischen Diätetik werden qualitative Aussagen über die Beruteilung von Nahrungsmitteln bevorzugt. Hierzu werden die Wirkungen der Lebensmittel in vier verschiedene Kategorien eingeteilt:
  1. Temperaturverhalten: von heiß bis kalt
  2. Geschmacksrichtung: sauer, bitter, scharf, salzig, neutral/fade, süß
  3. energetische Wirktendenz: aufsteigend, absenkend, oberflächlich oder tief wirkend
  4. Funktionskreisbezug: auf welche Organe, Funktionskreise, Meridiane die Lebensmittel wirken
Da diese Einteilung für den westlichen Menschen ungewohnt ist, möchte ich dies durch Beispiele der einzelnen Kategorien näher erklären.
Temperaturverhalten:
Chillis sind sehr heiß und bewirken dadurch eine Beschleunigung der physiologischen Prozesse. Wassermelonen oder Kiwis sind kalt und führen zu einer Verlangsamung und Festigung. Die Einteilung der Temperaturen der einzelnen Lebensmittel ist unabhängig von ihrer Temperatur durch Zubereitung. Dies bedeutet ein heißer Pfefferminztee kühlt, auch wenn er heiß getrunken wird. Eine gebackene Banane ist trotzdem kühlend. Gefrorene Chilis sind immer noch heiß. Die energetische Temperatur wird lediglich durch entsprechend gegegsätzliche Zubereitungsformen etwas abgemildert.
Geschmacksrichtung:
Den Geschmackrichtungen werden verschiedene Wirkungen zugesprochen. So löst der scharfe Geschmack Schwitzen aus und leitet nach oben und außen. Der bittere Geschmack trocknet (trockener Mund nach Kaffee, Tee). Der saure Geschmack zieht zusammen und bewahrt dadurch die Säfte. Dieses Gefühl kann jeder nachvollziehen, wenn er sich nur vorstellt, eine Zitrone zu lutschen. Der salzige Geschmack leitet nach unten und löst Verhärtungen/Tumoren auf. Dies erklärt die Erfolge der makrobiotischen Ernährung (vorwiegend Algen), in der begleitenden Krebstherapie. Der fade Geschmack fördert die Ausscheidung und greift in den Wasserhaushalt ein. Dies Phänomen kennt jeder nach einem Spargelessen. Der süße Geschmack befeuchtet und reguliert, puffert überschießende Wirkungen ab.
Die energetische Wirktendenz
kann subjektiv nach Genuß eines Nahrungsmittels empfunden werden. Rotwein ist warm und steigt zum Kopf, Knoblauch geht nach außen zur Haut (das kann man sogar riechen), Rhababer ist absenkend und kann zu Durchfall führen, bei Verstopfung hilft Rhababer, den Stuhlgang zu fördern, Auberginen wirken in der Tiefe.
Der Funktionskreisbezug
zeigt, an welchem Ort die Wirkung auftritt, welche Organe, Meridiane, Funktionskreise angesprochen werden. Wassermelone kühlt z. B. den Hals und wirkt deshalb gegen Halsschmerzen. Zwiebeln wirken auf die Augen und fördern den Tränenfluss.
Die Erkenntnisse der Wirkungen der einzelnen Nahrungsmittel sind durch Beobachtungen am Menschen gewonnen und dokumentiert. Die Erfahrungen hierüber reichen Jahrtausende zurück und werden seitdem immer wieder durch die vielen klinischen Erfolge bestätigt.
Weshalb ist die chinesische Ernährungslehre (Shiliao) so erfolgreich?
In der chinesischen Medizin wird zunächst eine Diagnose gestellt, die genau erklärt, was energetisch in dem Patienten vorgeht, und dadurch Informationen liefert, wie man das energetische Gleichgewicht wieder herstellen kann. Dies kann über die Ernährung und/oder andere Therapieverfahren der traditonellen chinesischen Medizin erfolgen.
Das Beispiel Erkältung: Das Wort "Er-kältung" verdeutlicht sogar in unserer Sprache, dass es sich um eine Kältekrankheit handelt. In der TCM wird ein grippaler Infekt mit den Symptomen von Kälteempfinden, Frösteln, Kopf- und Nackenschmerzen, verspanntem Schultergürtel, Fließschnupfen und Verlangen nach Wärme, als äußere Wind-Kälte-Krankheit bezeichnet. Deshalb werden Nahrungsmittel eingesetzt, die diese Wind-Kälte vertreiben und die Oberfläche behandeln sowie das Schwitzen fördern. Ingwertee, Saunagang, Wärmebehandlung, heiße Getränke können hier lindern. Als Erkältungsprophylaxe in der kalten Jahreszeit empfielt es sich, heißen Fliederbeersaft zu trinken. Der baut das Blut auf, stärkt die Abwehr und verhindert so das Eindringen von äußerer Wind-Kälte.
Orangen, wie unsere heimischen Ernährungsexperten oft empfehlen, sind aus Sicht der chinesischen Medizin sogar kontraindiziert. Orangen wirken kühlend, ziehen zusammen. Dem Patienten ist aber kalt und seine Muskeln sind zusammengezogen, seine Hautporen geschlossen. Da nutzt dann das Vitamin C auch nichts mehr, da die qualitative Wirkung völlig entgegen gesetzt ist.
Dennoch hat auch die westliche Ernährungslehre mit der Aussage Recht, dass Vitamin-C-haltige Nahrungsmittel gegen Erkältungen helfen, nur nicht alle.
Fliederbeersaft, auch als Holunder- oder Muttersaft bezeichnet, hat einen wesentlich höheren Anteil an Vitamin C, als Orangen je haben werden. Deshalb wurde Fliederbeersaft als deutsches Hausmittel, schon von unseren Großeltern im Winter getrunken oder als Fruchtsuppe gegessen.
Dieses Beispiel zeigt deutlich die Vorteile der chinesischen Medizin. Sie liegen in der Diagnostik. Anders als der westliche Arzt, kann der TCM-Therapeut genau erkennen, für welche Patienten welche Ernährung bzw. Therapieanwendung heilsam ist.
Die gleiche schulmedizinische Indikation, in diesem Fall der grippale Infekt, hat nicht zwangsweise dieselbe energetische Grundlage. Dies zeigt sich an unterschiedlichen Empfindungen und Beschwerden der Patienten, bei scheinbar derselben Krankheit.
So kann ein grippaler Infekt auch ganz anders aussehen. Der Patient hat Fieber, verstopfte Nase, dickes, grün-gelbes Sekret, er hat Halsschmerzen, ihm ist heiß, er hat Verlangen nach kalten Getränken, frischer Luft, seine Kopfschmerzen werden besser durch Auflegen eines kalten Lappens.
Hier liegt laut der chinesischen Medizin ein äußerer Angriff von Wind-Hitze vor. Da geben wir auf keinen Fall Ingwertee. Orangensaft kühlt, Pfefferminztee ist angesagt. Melone kann die Halsschmerzen bessern. Der Saunagang sollte auf alle Fälle vermieden werden.
Durch die chinesische Diagnostik und das Grundlagenwissen der TCM, bekommt die chinesische Ernährungslehre erst ihren Sinn und kann somit genau und individuell auf jeden Menschen eingehen.
Kein Raten sondern Diagnosen und genaue Aussagen
Eine chinesische Ernährungsberatung beginnt mit dem Anamnesegespräch und der Diagnostik. Anschließend wird dem Patienten erklärt, welche Nahrungsmittel nach seiner chinesischen Diagnose, für ihn fördernd und welche gemieden werden sollten. Diese Beratung ist individuell und unabhängig von der schulmedizinischen Diagnose.
Die chinesische Medizin verurteilt jedoch nicht andere Ansichten oder Erkenntnisse der Ernährung, sondern nutzt sie für sich durch ihre geniale Diagnostik, die uns verrät, welche Ernährung für welche Patienten richtig ist. So kann für den einen Patienten das Heilfasten richtig sein, für einen anderen ist davon dringen abzuraten. Der eine muß auf Kuhmilch verzichten, ein anderer auf Rohkost. Vielleicht muß eine Zeit lang blutaufbauende Nahrung auf den Speisezettel kommen. All dies verrät uns die chinesische Diagnose.
Wir haben auch bei uns im Westen viele überlieferte Hausmittelchen, die unsere Großeltern schon kannten. So z. B. die heiße Milch mit Honig, bei Husten. Nur für wen ist das gut und für wen nicht? Das Wissen ist da, nur kann es nicht fachgerecht angewendet werden, ohne die wegweisende Diagnostik der traditionellen chinesischen Medizin, können wir nur raten. Deshalb war bisher die Zuverlässigkeit solcher Empfehlungen, oft Glückssache.
Laut TCM, schleimt Kuhmilch und wird deshalb bei trockenem, schmerzhaften Husten, helfen. Die Kuhmilch befeuchtet die trockenen Bronchien und lindert dadurch die Schmerzen beim Husten. Wird der Husten jedoch produktiv, also haben wir Auswurf, dann dürfen wir auf keinen Fall Kuhmilch einnehmen, da wir sonst noch mehr verschleimen, und der Husten schlimmer wird.
Wie dieses einfache Beispiel zeigt, können auch Ratschläge oder ganze Diäten anderer Richtungen, durch die TCM richtig eingeordnet und angewendet werden. Anders als bei uns im Westen, wo ein Nahrungsmittel oder sogar eine ganze Ernährungsrichtung, für alle Menschen gleich empfohlen wird. Die Rohköstler sagen, seit ich nur noch rohes Gemüse esse, geht es mir besser. Das mag ja auch sein, dass heißt aber nicht, dass diese Art der Ernährung für jeden richtig ist. Diäten, die nachweislich für bestimmte Krankheitsbilder hilfreich sind, müssen noch lange nicht für alle Menschen sinnvoll sein. Mit der TCM-Ernährung hört somit das Raten auf. Wir können genau diagnostizieren für wen welche Ernährung sinnvoll ist. Wir können sogar durch regelmäßige TCM-Untersuchungen genau dokumentieren, was sich seit der Ernährungsumstellung verändert hat.
Allgemeine Richtlinien für eine gesunde Ernährung
Eßen Sie naturbelassene Nahrungsmittel. Vermeiden Sie Industriezucker, Schweinefleisch und Fertigprodukte. Die Ernährung sollte abwechslungsreich und vielfältig sein. Die Mahlzeiten sollten regelmäßig eingenommen werden. Dies gilt besonders für das Frühstück.
Kuhmilch und deren Produkte (Jogurt, Quark), Brot, Rohkost, Vollkorngetreideprodukte, Kaffee, Tee, Fruchtsäfte, Alkolhol, zuckerhaltige Getränke und Nahrungsmittel, sind nicht für die tägliche Ernährung geeignet. Sie können jedoch, in unterschiedlichen Abständen genossen, den Speiseplan erweitern und zum richtigen Zeitpunkt verzehrt, auch die Gesundheit fördern.
Der Rat: "Wenn es am Besten schmeckt, sollte man mit dem Essen aufhören!" Ist besonders in der heutigen Zeit zu berücksichtigen. Viele Gesundheitsstörungen, und das gilt nicht nur für Übergewicht und Blähungen, entstehen durch ein zu viel an Essen, dass sog. Überfressen.
Versuchen Sie einmal folgendes: Führen Sie zwei Wochen genau Buch darüber, was Sie jeden Tag essen und trinken. Sie werden schnell merken, dass sich alles immer wiederholt. Streichen Sie anschließend alle Lebensmittel, die Sie täglich oder sehr oft zu sich genommen haben, für einen Monat von Ihrem Speiseplan. Sie werden merken, wie es Ihnen gut tut. Wiederholen Sie dies zwei bis dreimal im Jahr, für Ihre Gesundheit.
Alles was wir zu uns nehmen, hat eine Wirkung, außer lauwarmes Wasser, das ist neutral. Deshalb wird jede einseitige Ernährung uns energetisch in eine bestimmte Richtung bringen. Dies wiederum erzeugt energetische Ungleichgewichte.
Dies gilt selbstverständlich auch für einseitige Diäten oder Ernährungsrichtungen. Vegetarier z. B. müssen darauf achten, dass sie blutaufbauende Nahrungsmittel essen, sonst geraten sie leicht in einen Mangelzustand.
Diäten oder starke Veränderungen in der Ernährung, führen meist anfänglich zu schnellen Besserungen, da sie eine Unterbrechung der bisherigen, einseitigen Ernährung sind. Wenn dann diese Diät aber zum Standart wird, führt sie zwangsweise wieder zur Einseitigkeit und somit zu einem energetischen Ungleichgewicht. Deshalb ist eine abwechslungsreiche Ernährung für die Gesundheit so wichtig.
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