Chinesische Kräutermedizin
In der chinesischen Arzneikunde werden Pflanzenbestandteile, aber auch tierische Produkte und Mineralien verwendet. Die einzelnen Arzneien werden individuell für den Patienten als Dekokt (Arzneisud), Granulat, Pulver oder in Tropfenform zusammengestellt.
Diese Rezepturen werden vom TCM-Therapeuten verordnet und über eine spezialisierte Apotheke direkt an den Patienten versendet.
Besonders bei chronischen und hartnäckigen Beschwerden, wo die Akupunktur als Regulationstherapie alleine nicht ausreichen würde, wird die chinesische Kräutermedizin eingesetzt.
Was ist chinesische Kräutermedizin, welche Krankheiten kann man damit behandeln?
Die chinesische Kräutermedizin ist die älteste überlieferte und genau dokumentierte Arzneikunde der Welt. Chinesische Pharmakologie wäre eigentlich der bessere Begriff, da neben Pflanzen auch tierische und mineralische Substanzen verwendet werden.
Bei uns hat sich jedoch der Begriff chinesische Kräutermedizin durchgesetzt. Dies führt leider oft zu einer falschen Vorstellung oder Verwechselung mit der einheimischen Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die sich jedoch grundlegend von der chinesischen Kräutermedizin unterscheidet.
Das Wort "Kräutermedizin" vermittelt dem Laien oft den Eindruck, es würde so eine Art Tee verordnet werden. Dies ist nicht richtig. Die einzelnen Bestandteile, die manchmal recht abenteuerlich aussehen (Wurzeln, Rinden, Muschelschalen, tierische Bestandteile etc.), werden unterschiedlich lange in Wasser geköchelt, anschließend gesiebt. Der dadurch entstehende bräunliche, streng richende Arzneisud (Dekokt) wird dann warm getrunken.
Da die Zubereitung sehr aufwendig ist, hat sich im Westen die Verordnung von Granulaten und Pulvern durchgesetzt. Diese sind auch geschmacklich wesentlich angenehmer. Trotzdem bleibt der Grundgeschmack meist sehr bitter. Deshalb gibt es in jüngster Zeit die Möglichkeit, die Rezepturen in Tropfenform herzustellen. Diese hydrophilen Konzentrate sind zwar etwas teurer als die anderen Darreichungsformen, sie enthalten jedoch keinen Alkohol und sind geschmacklich mit Hustensaft zu vergleichen, sodass diese Form der chinesischen Kräutermedizin, besonders bei der Behandlung von Kindern und geschmacksempfindlichen Patienten, vorzuziehen ist.
Die Verordnungen von Rezepturen erfolgt stets durch einen erfahrenen gut ausgebildeten TCM-Therapeuten, der seine individuell zusammengestellten Rezepte an eine spezialisierte Apotheke faxt/mailt. Die Apotheke mischt die verordneten Kräuter dann und schickt sie direkt an den Patienten. Die Apotheken verwenden nur labortechnisch einwandfreie, kontrollierte Arzneien, die auf Schadstoffe und Wirkgehalt untersucht sind und sich an die deutschen Bestimmungen für Arten- und Tierschutz halten.
Von Bestellungen aus dem Internet (billiger) ist dringend abzuraten, da diese Substanzen oft nicht den deutschen Qualitätsansprüchen gerecht werden und zudem auch Schadstoffe enthalten können.
Der TCM-Therapeut wird nach genauer Diagnostik (s. Button "Qualität"), nach den Kriterien der traditionellen chinesischen Medizin die einzelnen Rezepturen zusammenstellen. Die Verordnung chinesischer Arzneien ist wesentlich schwieriger und aufwendiger zu erlernen als die Akupunktur. Deshalb hat ein TCM-Therapeut, der auch chinesische Kräutermedizin anwendet, eine längere und intensivere Ausbildung. Dies gilt auch für Diagnostik und TCM-Grundlagen.
Mit chinesischer Kräutermedizin werden sehr schwierige und hartnäckige Fälle, innere Erkrankungen, Hautausschläge und chronische Krankheiten behandelt, bei der die Akupunktur als Regulationstherapie alleine nicht ausreichen würde. Die chinesische Arzneikunde hat sich auch als Begleittherapie bei Chemobehandlung bewährt, da sie in der Lage ist, die Nebenwirkungen stark zu reduzieren. Auch in der Gynäkologie und in der Kinderheilkunde hat die chinesische Kräutermedizin hervorragende Erfolge zu verzeichnen.
Neben der klassischen Verordnung von Rezepturen, die dann regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, gibt es (bei bestimmten Indikationen) auch die Möglichkeit der Einnahme von Fertigpräparaten (Pulver, Granulate, Tabletten).
Fertigpräparate sind zwar nicht so wirkungsvoll wie individuell zusammengestellte Rezepturen, können aber als Übergang, bis die Verordnung ausgeliefert wird (dauert oft drei Tage und länger), die Zeit überbrücken oder bei leichten Erkrankungen ausreichend sein.
Bei akuten Verletzungen/Schmerzen können Tinkturen zur äußeren Anwendung oder Kräuterpflaster zum Aufkleben verwendet werden. Bei Erkältungen gibt es eine Vielzahl von Fertigarzneien, wie Nasenpulver/spray, Halsschmerztabletten usw., oder Tabletten gegen Heuschnupfen.
Die Anwendungsbreite der chinesischen Kräutermedizin ist noch vielfältiger als die der Akupunktur. So macht der Anteil der Behandlungen durch Kräutermedizin in China weit mehr als 80 % aus, während die Akupunktur meist bei Schmerzen oder als Begleittherapie zur Kräutermedizin eingesetzt wird.
Bei uns wird die Kräutermedizin noch wenig genutzt, obgleich sie durch ihre hervorragenden Erfolge immer mehr Anhänger findet. Der Grund, weshalb in Deutschland die Kräutermedizin, im Verhältnis zur Akupunktur, noch wenig genutzt wird, ist die wesentlich kompliziertere und zeitaufwendigere Ausbildung.
Deshalb kann der medizinische Laie (auf der Suche nach einem guten Behandler), davon ausgehen, dass ein TCM-Therapeut, der neben Akupunktur und Massage auch die Kräutermedizin mit individuell erstellten Rezepturen anbietet, eine fundierte Ausbildung genossen hat.
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