Qualität - Wie erkenne ich einen gut ausgebildeten TCM-Therapeuten?
Ein gut ausgebildeter TCM-Therpeut beherrscht die TCM-Diagnostik und mind. drei verschiedene TCM-Therapien, am besten jedoch alle: Akupuktur, Moxibustion, TCM-Ernährung, Kräutermedizin, chinesische Massage/manuelle Therapie.
Leider ist der Begriff TCM in Deutschland nicht geschützt. Jeder Arzt oder Heilpraktiker darf behaupten, er praktiziere chinesische Medizin, auch wenn seine Ausbildung nur rudimentär ist. In der Praxis führt das leider immer wieder dazu, dass Patienten schlechte Erfahrungen mit Akupunktur oder Kräutermedizin machen und von der "angeblich" chinesischen Medizin enttäuscht werden. Wie aber kann ein medizinischer Laie einen gut ausgebildeten TCM-Therapeuten erkennen?
Ein erfahrener TCM-Therapeut führt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, um Informationen über die vorliegenden Beschwerden, die Lebenssituation des Kranken, seine Essgewohnheiten sowie über seine Körperausscheidungen (Stuhl, Urin, Schweiß, Menstruation) und sein Schlafverhalten zu bekommen.
Weitere Informationen erhält der Therapeut durch Inspektion (Betrachten), Olfaktion (Riechen), Palpation (Tasten/körperliche Untersuchung).
In der TCM wird insbesondere bei chronischen Krankheiten eine Zungendiagnostik durchgeführt und v. a. bei akuten Erkrankungen eine Pulsdiagnose. Hierzu wird an beiden Handgelenken an sechs verschiedenen Pulspositionen getastet.
Alle diese Daten trägt der TCM-Therapeut in seiner Patientenkarte zusammen und stellt dann eine Diagnose nach den Kriterien der traditionellen chinesischen Medizin (Zang-Fu, Yin/Yang-Lehre, 5 Wandlungsphasen).
Nach der Diagnosestellung erklärt der Therapeut, welche/es Behandlungsverfahren für die bestehende Krankheit zu wählen ist. Häufig müssen mehrere Verfahren ineinandergreifen. Der Hexenschuss sollte mit Akupunktur und zusätzlich mit Massage behandelt werden, da die Muskeln verspannt und hart sind. Hat der Patient schon länger immer wieder Rückenschmerzen, muß das zugrunde liegende Muster behandelt werden. Der Patient könnte Störungen in seiner Körperstatik haben, hier ist die Manuelle Behandlung (Tuina) nötig. Eine Veränderung in der Lebensführung/Ernährung könnte unterstützend wirken. Vielleicht ist die Störung schon so ausgeprägt, dass zusätzlich mit Kräutern gearbeitet werden muss (z. B. bei Stress, starker Belastung).
Bei akuten Schmerzzuständen kann der TCM-Therapeut auch ohne vorherige Puls- und Zungendiagnostik eine Schmerzbehandlung durchführen, um zunächst den akuten Schmerz zu lindern. Sollten die Schmerzen jedoch schon seit längerer Zeit bestehen oder immer wieder auftreten, wird der TCM-Therapeut das ausführliche Anamnesegespräch und die TCM-Diagnostik in einem neuen Termin nachholen, um anschließend kausal behandeln zu können.
Führt der TCM-Therapeut eine Akupunktur durch, findet er die zu nadelnden Punkte schnell und sicher durch Betasten. Hilfsmittel wie Punktsuchgeräte sind nicht nötig.
Die Nadelung selbst ist kaum schmerzhaft. Bei empfindlichen Patienten können Führungsröhrchen benutzt werden oder die nadelfreie Akupunktur gewählt werden.
Bei starken und hartnäckigen Schmerzzuständen sowie in der Schädelakupunktur kann zusätzlich die Elektrostimulation eingesetzt werden. In der Regel werden in der TCM jedoch keine weiteren Geräte benötigt. Die elektrische Stimulation der Nadeln kann auch manuell, durch mechanische Stimulation erfolgen, dies ist jedoch häufig sehr schmerzhaft und wird deshalbe gerne durch das sanfte Kribbeln der Elektrostimulationsgeräte ersetzt.
Die TCM-Diagnose bestimmt die Wahl der Punkte. Ein guter TCM-Therapeut benutzt wenig Punkte (ein bis zehn Nadeln, max. fünfzehn). Werden zu viele Nadeln gesetzt, bringt der Akupunkteur mehr durcheinander, als dass er hilft. Eine Ausnahme ist die Behandlung akuter Schmerzzustände. Hier werden häufig zusätzlich Nadeln in das schmerzende Areal gesetzt.
Bei der Ernährungsberatung erklärt der TCM-Therapeut, welche Nahrungsmittel für die vorliegende Krankheit ungünstig sind und vermieden werden sollten, welche Lebensmittel nur selten gegessen werden sollten und welche die Heilung positiv beeinflussen. Es müssen keine abenteuerlichen Diäten durchgeführt werden, der Patient muss keine chinesischen Gerichte kochen oder Speisen in bestimmten Reihenfolgen zubereiten.
Die chinesische Kräutermedizin/chinesische Pharmakologie verwendet pflanzliche, tierische und mineralische Substanzen, die individuell als Rezeptur für den Patienten zusammengestellt werden. Spezielle Apotheken fertigen diese Rezepturen nach Verordnung durch den TCM-Therapeuten an und schicken diese direkt an den Patienten. Bei akuten Erkrankungen und bestimmten Indikationen können auch Fertigpräparate eingesetzt werden.
Die Ausbildung in chinesischer Pharmakologie ist wesentlich komplizierter und aufwendiger als das Erlernen anderer TCM-Therapien, deshalb bleibt sie dem erfahrenen TCM-Therapeuten vorbehalten.
Die chinesische Kräutermedizin wird bei schweren und hartnäckigen Beschwerden eingesetzt, bei denen die Akupunktur alleine nicht ausreichen würde.
In der manuellen Behandlung, z. B. bei Verspannungen, Schmerzen, etc. können Akupressurtechniken, Massage, Muskeldehnung, chiropraktische Anwendungen und Entspannungstechniken angewendet werden. Die Behandlung ist meist an den betroffenen Stellen schmerzhaft. Besonders die ersten drei Behandlungen können wehtun. Meistens empfindet der Patient diese Art von Schmerzen als wohltuend, da sich gleichzeitig eine Entspannung einstellt und der eigendliche Schmerzzustand häufig schon nach der ersten Behandlung deutlich abnimmt.
Die Therapieformen unterstützen und ergänzen einander. Alleine angewendet können sie nicht ihr volles Potential entfalten. Deshalb ist es gerade bei chronischen Erkrankungen erforderlich, einen gut ausgebildeten TCM-Therapeuten aufzusuchen, der die ganze Bandbreite der traditionellen chinesischen Medizin nutzen kann.
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